»Klassik im Krafft-Areal«


Samstag, den 7. Mai 2016, 19.00 Uhr

Saoli Saito-Gouton – Francis Gouton Saoli Saito-Gouton – Francis Gouton (Photo: Gudrun Bublitz)


Francis Gouton, Violoncello
Saoli Saito-Gouton, Klavier


»Saoli Saito ist eine Pianistin wie prädestiniert für Kammermusik, weil sie zuhören kann«, schrieb das Klassikmagazin »Crescendo«. Die Künstlerin ist Preisträgerin mehrerer Klavier- und Kammermusik-Wettbewerbe. Sie spielte in ganz Europa, Japan und Mittelamerika. Als Kammermusik-Partnerin konzertiert sie mit vielen international tätigen Musikern. Neben den traditionellen großen Werken des Kammermusik-Repertoires für Klavier interpretiert sie Werke von Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts wie Georges Enesco, Louis Viernes, Bohuslav Martinú, Olivier Messiaen, Jacques Ibert, Darius Milhaud, Hugo Distler und Michael White. Saoli Saito hat mehrere Werke auf CD aufgenommen, unter anderem das Klavierquintett von Dimitri Schostakowitsch sowie Trios für Klarinette, Violoncello und Klavier von Johannes Brahms, Robert Kahn und Paul Juon mit dem Bornalie-Trio – mit Klarinettist Norbert Kaiser und Cellist Françis Gouton. Nach ausführlichen Studien und Konzerttätigkeit in ihrer Heimat Japan kam Saoli Saito nach Deutschland und studierte bei Detlev Kraus in der Folkwangschule in Essen und Bernhard Ebert in der Musikhochschule in Hannover. Sie setzte ihre Ausbildung unter anderem bei Roberto Szidon, Ludwig Stefanski und Pierre Fournier fort.

Der französische Cellist Francis Gouton hat als Solist und Kammermusiker in den wichtigsten Musikzentren Europas, Asiens, Amerikas und Australiens konzertiert. Als Solist ist er u._a. mit dem Staatsorchester Stuttgart, dem Stuttgarter Kammerorchester, dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, dem Real Filharmonia de Galicia, dem Orquesta Sinfonica de Maracaibo und in Japan mit dem Kanagawa Philharmonic Yokohama und dem Tokyo Metroplitan-Symphony Orchestra aufgetreten. Der vielseitige Musiker spielt sowohl die Cello-Suiten von Bach als auch das zeitgenössische Werk, wie z._B. die Konzerte für Cello und Orchester von Josef Tàl, Isang Yun und Philipp Glass. Für CD- und Rundfunkproduktionen hat er zahlreiche vergessene Meisterwerke des französischen Repertoires aufgenommen. In jahrelanger enger Zusammenarbeit mit Helmuth Rilling erforschte er als Solocellist des Bach-Collegiums die Welt der Bach-Interpretation. Mit dem Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von James Tuggle und Sylvain Cambreling hat er 2014 und 2015 die für ihn komponierten Werke »Concertpiece for Cello and Orchestra« von Milko Lazar und das 2. Cellokonzert von Xaver Paul Thoma uraufgeführt. Gelegentlich tritt er auch an der Seite des Saxophonisten Daniel Schnyder, des Schlagzeugers Jason Marsalis oder in Claude Bollings Jazz-Trio auf. Francis Gouton wurde 2007 Professor an der Musikhochschule in Trossingen. Außerdem ist er Gastprofessor der Jimei Universität Xiamen und der Tong Ji Universität Shanghai. Francis Gouton spielt auf einem Violoncello von Domenico Montagnana (Venedig 1734) aus dem Vorbesitz des Cellisten und Komponisten Giacobbo Cervetto, und auf einem für ihn gebauten Violoncello von Jean-Frédéric Schmitt (Lyon 2010).



Programm

Robert Schumann Fantasiestücke op. 73
1810 – 1856 1. Zart und mit Ausdruck
2. Lebhaft, leicht
3. Rasch, mit Feuer
 
Johannes Brahms Zum Geburtstag: Sonate für Klavier und Violoncello e-Moll op. 38
1833 – 1897 1. Allegro non troppo
2. Allegretto quasi Menuetto – Trio
3. Allegro
 
Claude Debussy Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll
1862 – 1918 1. Prologue. Lent, sostenuto et molto risoluto
2. Sérénade. Modérément animé
3. Finale. Animé
 
Ludwig van Beethoven Sonate für Klavier und Violoncello D-Dur op. 102 Nr. 2
1770 – 1827 1. Allegro con brio
2. Adagio con molto sentimento d'affetto, attacca
3. Allegro – Allegro fugato
 


1849 ist das letzte Dresdner Jahr Robert Schumanns. Im Frühjahr entstehen mehrere kleinere Kammermusikwerke, darunter auch die Fantasiestücke op. 73, drei Charakterstücke, die ohne Pausen ineinander übergehen. Schumann pflegte ja bekanntlich die Eigenart, zu bestimmten Zeiten nur Musik bestimmter Gattungen zu komponieren. So leiten die Fantasiestücke op. 73 eine Reihe von Kompositionen ein, die in der Absicht entstand, die Lieblingsinstrumente der Romantiker »an die Reihe« kommen zu lassen. Für den Komponisten waren es »zarte, duftende Blumen, die keinen Triumphzug durch den Salon machen wollen, sondern im stillen Kreise das Gemüth erquicken werden.«

Johannes Brahms’ erste Sonate für Violoncello und Klavier e-Moll op. 38 entsteht in der Zeit seines Umzugs von Hamburg nach Wien. Die ersten beiden Sätze schreibt er 1862, den letzten Satz drei Jahre später. Brahms’ Selbstverständnis seiner Rolle in der Musiktradition entsprechend, ist ihm auch hier Beethoven, der maßstabsetzende Schöpfer der Gattung, Inspiration und Orientierung zugleich. Das Werk stellt hohe Anforderungen an die Ausführenden, denn Brahms komponiert seine Sonaten nicht für den »Hausgebrauch«, wie noch viele seiner Vorgänger, sondern für den Konzertsaal, für Virtuosen – wie er selbst – und professionelle Musiker. Dass auch diese sich vor Probleme gestellt sehen konnten, dokumentiert die folgende Anekdote. Brahms, bekannt als lauter Klavierspieler, spielt die soeben zu Ende komponierte Sonate zum ersten Mal mit dem Cellisten Hausmann vom Blatt. Hausmann hält mitten im Satz inne: »Verehrter Meister, Sie schreiben ein wunderbares Musikstück, aber ich kann mich selbst nicht hören«. Brahms antwortet: »Sie Glücklicher!«

Drei Jahre vor seinem Tod schrieb Claude Debussy die Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll. Auf dem Titelblatt der Sonate bezeichnet sich Debussy ausdrücklich als »Musicien français«. Er positioniert sich damit zum einen politisch in der Zeit des Ersten Weltkriegs als Patriot, zum anderen musikalisch als französisch empfindender Musiker in der Nachfolge von Jean-Philippe Rameau und François Couperin. Die Sonate weist in bewusster Abgrenzung von der Musik der deutschen Spätromantik weder die traditionelle Viersätzigkeit noch die Sonatenform der deutschen Kammermusik auf. Die drei Sätze sind in phantasievollen freien poetischen Formen gehalten.

Die im Sommer 1815 entstandene Sonate für Violoncello und Klavier op. 102 Nr. 2 D-Dur markiert in Ludwig van Beethovens Schaffen die Schwelle zum Spätwerk. Die heroische Phase ist längst abgeschlossen und im »Tagesgeschäft« erledigt der Komponist ebenso erfolgreiche wie konventionelle Auftragsarbeiten für den Wiener Kongress. Künstlerischer Stillstand bleibt für Beethoven jedoch unvorstellbar. Jede seiner Kompositionen hat einen neuen, einmaligen (Diskussions-)Beitrag zum »Gespräch« seiner Zeit zu leisten.
»… allein Freiheit, Weitergehen ist in der Kunstwelt, wie in der großen Schöpfung Zweck …«, schreibt er an Erzherzog Rudolph. Die Cellosonaten op. 102 zeigen den experimentierenden Beethoven auf der Suche nach einem neuen Stil. »Alles ist hier anders, ganz anders, als man es sonst, auch sogar von diesem Meister selbst, empfangen hat …«, schreibt 1818 die »Allgemeine Musikalische Zeitung«. Für Verblüffung sorgte insbesondere die sich aus dem 2. Satz heraus entwickelnde sperrig-vertrackte Schlussfuge der D-Dur-Sonate. Die Fuge als kompositorische Herausforderung wird für Beethoven zu einem Weg in die Zukunft.



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