»Klassik im Krafft-Areal«


Samstag, den 30. Juli 2016, 19.00 Uhr

Daniel Eberhard – Wolfgang Griep – Klaus Füger – Harald Rüschenbaum Daniel Eberhard – Wolfgang Griep – Klaus Füger – Harald Rüschenbaum


Harald Rüschenbaum Trio und Wolfgang Griep

»Swing frei, Schütz«


Daniel Mark Eberhard, Klavier
Klaus Füger, Kontrabass
Harald Rüschenbaum, Schlagzeug
Wolfgang Griep, Text und Sprecher


Nach einem klassischen Schlagzeugstudium, ging Harald Rüschenbaum zum Jazzstudium in die USA. Zurück in München gründete er das Harald Rüschenbaum Jazz Orchestra, erhielt einen Preis der Deutschen Phonoakademie und 1985 als erster Jazzmusiker den Kulturförderpreis der Stadt München. Harald Rüschenbaum arbeitete mit bedeutenden Jazzmusikern wie Ack van Rooyen, Clark Terry, Monty Alexander, Klaus Doldinger, Jiggs Wigham, Johnny Griffin, Don Menza und Lee Konitz. Seit 1993 ist er Leiter des Landes-Jugendjazzorchesters Bayern. Für seine exzellente Arbeit in der Nachwuchsförderung erhielt er 2003 das Bundesverdienstkreuz, 2006 die Carl-Orff-Medaille und 2013 den Bayerischen Staatspreis für Musik.

Klaus Füger war als Jazz-Kontrabassist weltweit unterwegs. Er ist inzwischen in seinem Hauptberuf niedergelassener Internist in Tettnang!

Prof. Dr. Daniel Mark Eberhard ist Inhaber der Professur für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Der Schüler von Jacques Loussier beschäftigt sich jedoch nicht nur theoretisch mit Musik, sondern ist auch professioneller Künstler rund um Klavier, Keyboards, Hammond-Orgel und Akkordeon.

Dr. Wolfgang Griep ist Historiker und Literaturwissenschaftler. Er forschte über die deutschsprachige Reiseliteratur des 18. Jahrhunderts. Seit 2005 betreibt er einen Kleinverlag, hält Vorträge und macht Musikalisches zusammen mit dem Harald Rüschenbaum Trio.



Programm

»Swing frei, Schütz«

    01. Wie alles begann
02. Ouvertüre
03. Im deutschen Wald
04. Schau der Herr mich an als König
05. Die Geschichte vom Probeschuss
06. Hier im ird’schen Jammertale
07. Jugendsünden
08. Durch die Wälder, durch die Auen
09. Der tiefschwarze Plan
10. Schweig, schweig, damit dich niemand warnt
11. Der teuflische Pakt
12. Variation: Schweig, schweig
13. Im Waldschlösschen mit Ännchen und Agathe
14. Kommt ein schlanker Bursch gegangen
15. Agathes Liebe, Agathes Kummer
16. Mich ruft von hinnen Wort und Pflicht
17. Wie? Was? Entsetzen!
18. Die grausige Wolfsschlucht
19. Milch des Mondes fiel aufs Kraut
20. Ein explosives Gebräu
21. Zwischenspiel zum dritten Akt
22. Ganz in Weiß, mit einem Rosenstrauß
23. Und ob die Wolke sie verhüllte
24. Schwarze Vision
25. Einst träumte meiner sel’gen Base
26. Der vertauschte Brautkranz
27. Wir winden dir den Jungfernkranz
28. Vor der Prüfung
29. Was gleichet wohl auf Erden
30. Der Probeschuss
31. Schaut, o schaut!
32. Wie alles endet
33. Finale
 


»Der Freischütz« von Carl Maria von Weber
– in der Fassung für Jazz-Trio und Sprecher

Die Zweite Geburt    Wolfgang Griep

Zum ersten Mal sah und hörte ich die Drei im MEDEON in Marktoberdorf. Nicht auf der großen Bühne des Veranstaltungszentrums, sondern in einem nüchtern möblierten Nebenraum, in dem für die Delegation aus Eutin ein Abendbüffet angerichtet war. Ich war nur durch Zufall – eine Stadtvertreterin hatte in letzter Minute abgesagt – in die Gesandtschaft geraten, die die Möglichkeiten eines kulturellen Austauschs zwischen Marktoberdorf im Allgäu, der Geburtsstadt der Mutter, und Eutin, der Geburtsstadt des Sohnes, besprechen sollte. Und als musikalisch-kulturelles Abendhäppchen verwöhnte uns nun das Harald Rüschenbaum Trio mit einigen ausgewählten Stückchen aus dem Freischütz, für ein Jazz-Trio neu arrangiert.

Was es zum Büffet gab, weiß ich nicht mehr, aber was die drei spielten, ist mir nach wie vor im Gedächtnis geblieben. Da war der Jägerchor als Calypso arrangiert, der »Jungfernkranz«, den Heinrich Heine seinerzeit in Berlin so verzweifelt aus dem Ohr bekommen wollte, »Durch die Wälder, durch die Auen« als mitreißender Latin. Das waren Appetitanreger, die nach mehr schmeckten. Nach mindestens einem guten Drei-Gänge-Menü. Und zusätzlich flüsterte mir irgendetwas Hartnäckiges ins Ohr: wenn die Drei schon auf der musikalischen Ebene wunderbar ironisieren und aktualisieren konnten, wäre das nicht auch beim Libretto möglich? Wahrscheinlich bin ich während des Abendessens recht einsilbig und zerstreut gewesen, denn die stete Frage, die mir im Kopf herumging, war: durfte ich es wagen, das Trio anzusprechen und ihnen das unverschämte Angebot machen, die schwer romantische Oper in eine leicht swingende Abend­veranstaltung zu verwandeln? Ich wagte es schließlich und erntete erstaunlicherweise wohlwollende Zustimmung. Mir ist bis heute nicht klar, ob die Drei wussten auf was sie sich da einließen. Zumindest rief mich bald darauf Daniel Eberhard an und fragte vorsichtig, an welche Stücke aus dem Freischütz ich denn für unser Projekt gedacht hätte. Als ich sagte: alle, war für einen kurzen Moment Schweigen am anderen Ende, und ich rechne es Daniel hoch an, das er den unverschämten Verrückten nicht abhängte, sondern sich, ohne die Texte (oder auch nur die Art der Texte) zu kennen, auf das ungewisse Unternehmen einließ. Und ungewiss war es in der Tat, denn damals wusste ich selbst nicht, wie die Geschichte beginnen und wo sie enden könnte. Ich entschied mich schließlich für eine Introduktion, gewissermaßen eine Text-Ouvertüre, als leichte Parodie auf die Entstehungsgeschichte des Freischütz von Friedrich Kind – mit dem kleinen Gag, dass die Jahreszeit, zu der die Geschichte beginnt, sich zusammen mit den Wetterverhältnissen nach Zeit und Ort der aktuellen Aufführung richtet. Und auch einige andere Anspielungen wechseln je nach Nachrichtenlage. Gut versteckt ist eine Hommage an Loriot, der mit seiner Nacherzählung des Rings des Nibelungen unerreichbare Maßstäbe gesetzt hat.

Daniel Eberhard hat Carl Maria von Weber, dem experimentierfreudigen Erneuerer der deutschen Oper, musikalisch die Hand gereicht und eine behutsame und respektvolle Neuinstrumentierung des Originals mit den Mitteln eines eingespielten, kreativen Jazz-Trios geschaffen, eine immer wieder überraschende Annäherung und Weiterführung. Aber das können Sie ja selbst hören – im Konzert und auf unserer 2011 eingespielten CD »Swing frei, Schütz!«.

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Carl Maria von Weber wurde 1786 als Sohn eines Schauspiel- und Musikdirektors in Eutin geboren. Zu seinen Lehrern gehörte u. a. Michael Haydn. Von 1804 bis 1806 war Weber Kapellmeister am Stadttheater Breslau, von 1813 bis 1816 Operndirektor in Prag. 1817 wurde er als Königlicher Kapellmeister und Direktor ans Dresdner Hoftheater berufen. Hier entstand auch »Der Freischütz«. Weber starb nach einer Aufführung seiner Oper »Oberon« 1826 in London.

Carl Maria von Webers 1821 im Königlichen Schauspielhaus Berlin uraufgeführter »Freischütz« gilt als der Inbegriff der deutschen romantischen Oper. Jäger Kuno will seinem Jägersburschen Max seine Tochter Agathe zur Frau geben. Nach altem Gesetz muss Max jedoch zuvor einen schwierigen »Probeschuss« ausführen. Vor dem Probeschuss verliert Max jedoch seine gewohnte Treffsicherheit. Er folgt dem Rat Caspars, der auch ein Auge auf Agathe hat, »Freikugeln« zu gießen, wovon sechs immer treffen, dafür aber die siebte dem Teufel gehört. Diese soll Agathe treffen und Max zum Selbstmord treiben. Es kommt anders: Beim Probeschuss fällt Agathe – geschützt durch den Zauber der Rosen des Eremiten – nur in Ohnmacht. Statt dessen wird Caspar zum Opfer des Teufels.



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