»Klassik im Krafft-Areal«


Samstag, den 22. Oktober 2016, 19.00 Uhr

Andrea Kauten Andrea Kauten (Photo: Josep Molina)


Andrea Kauten, Klavier


Ausdruckskraft und Technik: die Verbindung dieser beiden musikalischen Qualitäten zeichnet die Kompositionen Franz Liszts aus – und ist auch für die ungarisch-schweizerische Pianistin Andrea Kauten von ganz besonderer Bedeutung. Die Klaviermusik des ungarischen Virtuosen hat ihr Spiel nachhaltig geprägt.

Andrea Kauten begann ihr Klavierspiel mit sieben Jahren bei dem Basler Pianisten Albert Engel. Als 13-jährige stand sie bereits im Finale des Jecklin-Wettbewerbs in Zürich, ein Jahr später wurde sie mit dem 1. Preis des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs ausgezeichnet. In der Folge studierte sie an der Musikakademie in Basel und an der Franz Liszt Musikakademie in Budapest.

Andrea Kauten verfügt über ein breitgefächertes Repertoire, ihre besondere Liebe gilt jedoch der Romantik. Die Pianistin konzertierte in mehreren Ländern, unter anderem in den USA, Kanada, Dänemark, Frankreich, Italien, Deutschland und in der Schweiz.

Für den ungarischen Rundfunk nahm Andrea Kauten eine Gesamteinspielung des Klavierwerks von Carl Goldmark auf. Bereits 1993 erschien ihre erste CD mit Werken von Liszt, Goldmark und Rachmaninov. Zwei CDs mit Werken von Robert Schumann veröffentlichte sie bei Sony Classical im November 2006 (C-Dur-Fantasie, Kreisleriana, zwei Romanzen) und im März 2009 (f-Moll-Sonate, Symphonische Etüden, zwei Novelletten). Eine CD mit Werken von Franz Liszt, darunter das Opus Summum unter Liszts Klavierwerken, die Sonate in h-Moll sowie die »Dante-Sonate«, ist im März 2011 ebenfalls bei Sony Classical erschienen. Auf ihrer im Mai 2012 veröffentlichten Liszt-Doppel-CD hat Andrea Kauten mehrere, leider immer noch viel zu unbekannte, Werke von Franz Liszt für Klavier und Orchester eingespielt. Auf der ersten CD des Albums spielt die Pianistin den Totentanz, Malédiction und die Ungarische Fantasie, begleitet vom ungarischen Savaria Symphony Orchestra unter der Leitung von Ádám Medveczky. Auf der zweiten CD präsentiert Andrea Kauten eine neue Einspielung der »Années de Pèlerinage Deuxième Année: Italie«, den 1. Mephisto-Walzer sowie die 14. Ungarische Rhapsodie. Die Produktion wurde von der Fachzeitschrift »Pizzicato« mit dem »Supersonic« ausgezeichnet und als eine »wahre Lektion in Sachen Stil und Expressivität« mit dem Prädikat »Empfehlenswert!« gepriesen. In jedem Werk schaffe es Andrea Kauten, den Zuhörer zu überraschen und ihn immer wieder mit einem ebenso graziösen wie virtuosen Spiel zu begeistern, lobt der Autor und bescheinigt Andrea Kauten »eine überragende Technik, eine kluges, in sich geschlossenes Spiel und eine enorme Flexibilität in Sachen Interpretation.« – Im Dezember 2013 veröffentlichte Sony die Doppel-CD »Andrea Kauten – A Portrait« u. a. mit Beethovens »Mondscheinsonate« und der »Pathétique«. Ausserdem wurden für diese CD eingespielt: Die grosse Sonate von Chopin (»mit dem Trauermarsch«) sowie dessen »Fantaisie Impromptu« und einige Walzer, des Weiteren von Franz Liszt die »Consolations«, der »Liebestraum« und die 15. Ungarische Rhapsodie, von Robert Schumann Auszüge aus dem 1. Teil des »Albums für die Jugend« und schließlich Stücke von Sergei Rachmaninov, darunter das berühmte Prélude op. 3 Nr. 2 in cis-Moll sowie das Prélude op. 23 Nr. 5 g-Moll.

Seit der Saison 2006 ist Andrea Kauten künstlerische Leiterin der Fahrnauer Kammermusikreihe »Klassik im Krafft-Areal«.



Programm

Johann Sebastian Bach Aus »Sechs kleine Präludien«
1685 – 1750 1. Kleines Präludium C-Dur BWV 933
2. Kleines Präludium d-Moll BWV 935
3. Kleines Präludium c-Moll BWV 934
 
Frédéric Chopin 24 Préludes op. 28
1810 – 1849 1.   C-Dur: Agitato
2.   a-Moll: Lento
3.   G-Dur: Vivace
4.   e-Moll: Largo
5.   D-Dur: Allegro molto
6.   h-Moll: Lento assai
7.   A-Dur: Andantino
8.   fis-Moll: Molto agitato
9.   E-Dur: Largo
10. cis-Moll: Allegro Molto
11. H-Dur: Vivace
12. gis-Moll: Presto
13. Fis-Dur: Lento
14. es-Moll: Allegro
15. Des-Dur: Sostenuto
16. b-Moll: Presto con fuoco
17. As-Dur: Allegretto
18. f-Moll: Allegro Molto
19. Es-Dur: Vivace
20. c-Moll: Largo
21. B-Dur: Cantabile
22. g-Moll: Molto agitato
23. F-Dur: Moderato
24. d-Moll: Allegro appassionato
 
Modest Mussorgski Bilder einer Ausstellung
1839 -1881 1.   Promenade
2.   Gnomus (Der Gnom)
3.   Promenade
4.   Das alte Schloss
5.   Promenade
6.   Die Tuilerien (Spielende Kinder im Streit)
7.   Bydlo (Der Ochsenkarren)
8.   Promenade
9.   Ballet der unausgeschlüpften Küken
10. »Samuel« Goldenberg und »Schmuyle«
11. Limoges, der Marktplatz (Die große Neuigkeit)
12. Die Katakomben (Eine römische Totengruft)
13. Mit den Toten in einer toten Sprache
14. Die Hütte auf Hühnerfüßen (Die Hütte von Baba-Jaga)
15. Das Bogatyr-Tor (Das große Tor von Kiew)
 


Die sechs kleinen Präludien finden sich im »Clavierbüchlein«, das Johann Sebastian Bach am 22. Januar 1720 für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann als häusliche private Klavierschule anlegte. Auch 300 Jahre später gehören die Präludien »ins bewährte und unentbehrliche Repertoire des frühen Klavierunterrichts und sind deshalb bekannt und beliebt. […] Die ›Sechs kleinen Präludien‹ (BWV 933–938) sind […] nicht exakt datierbar; sie zeigen […] kunstvolle, pädagogisch phantasievoll und abwechslungsreich erfundene Miniaturen von hohem künstlerischen Wert, manche stehen auf gleichem Niveau wie die besten kurzen Sätze etwa in den Französischen Suiten oder auch wie die Inventionen.« (Reclams Musikführer)

Mit seinen 24 Préludes op. 28, einem Zyklus durch die zwölf Dur- und Molltonarten nach dem Vorbild der Präludien von Bach, verblüffte Frédéric Chopin selbst seinen großen Bewunderer Robert Schumann: »Von neuen Kompositionen Chopin's haben wir eine merkwürdige Sammlung von Präludien zu erwähnen. Gesteh’ ich, daß ich sie mir anders dachte und wie seine Etüden im großen Stil geführt. Beinahe das Gegenteil; es sind Skizzen, Etüdenanfänge, oder wie will man, Ruinen, einzelne Adlerfittiche, alles bunt und wild durcheinander. Auch Krankes, Fieberhaftes, Abstoßendes enthält das Heft; so suche jeder was ihm frommt, und bleibe nur der Philister weg.« Was selbst einem Robert Schumann zunächst als skizzenhaft und fragmentarisch erschien, gilt heute als eines der Meisterwerke der Klavierliteratur. In seinem Opus 28 zeigt Chopin seine »avantgardistische« Seite. Er ignoriert die Bedeutung des Begriffs Präludium als Vorspiel zu einem folgenden »großen« Werk, z. B. einer Fuge, und macht jedes auch noch so kurze Prélude zu einem selbständigen, fein geschliffenen Charakterstück. Die Qualität einer Komposition ist keine Frage ihrer Dauer.

Als Jugendlicher erhielt er Klavier- und auch bereits Theorieunterricht, besuchte eine Gardeschule, wurde Mitglied in einem Garderegiment – und hatte die Offizierslaufbahn vor Augen. Er quittierte den Militärdienst wurde erst Beamter, dann Bohemien – und endete alkoholkrank im Militärhospital. Also »gemäßigt« war der Komponist Modest Mussorgski nicht. Wohl genau deshalb gelang ihm mit seinen Bildern einer Ausstellung ein Klavierwerk von »geradezu existenzialistischer Aussagegewalt«, dessen Beliebtheit – seit seiner Wiederentdeckung in den 1920er Jahren – ungebrochen ist. Die Klaviersuite entstand anlässlich einer Gedenkausstellung für den Buchillustrator und Architekten Viktor Hartmann. Der Hörer begleitet den Komponisten bei seinem Gang durch die Ausstellung. Ein Teil der dem Klavierwerk zugrundeliegenden Arbeiten ist verschollen. Es ist jedoch nicht nötig die Bilder zu kennen, man kann sie hören.



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