»Klassik im Krafft-Areal«


Samstag, den 4. November 2017, 19.00 Uhr

Vogler Quartett Vogler Quartett (Photo: Christian Kern)


Vogler Quartett

Tim Vogler, Violine
Frank Reinecke, Violine
Stefan Fehlandt, Viola
Stephan Forck, Violoncello

Andrea Kauten, Klavier


Individualität, die sich im Gemeinsamen entfaltet – hier liegt wohl das Geheimnis des Vogler Quartetts, welches seit 1985 in unveränderter Besetzung weltweit eine einzigartige Karriere verfolgt. Mit kammermusikalischer Intelligenz, spieltechnischer Souveränität und interpretatorischem Feingefühl lassen Tim Vogler, Frank Reinecke, Stefan Fehlandt und Stephan Forck einen unverwechselbaren Streichquartettklang entstehen, der dank der lebendigen Ensemblekultur immer neue Perspektiven gewinnt. Sein umfangreiches Repertoire der klassischen Quartettliteratur von Haydn bis zu Bartók und der Zweiten Wiener Schule erweitert das Ensemble mit weniger bekannten Werken und Uraufführungen, u.a. von Ian Wilson, Jörg Widmann, Mauricio Kagel und Taner Akyol. In seiner langen Karriere konzertierte das Quartett u.a. mit Lynn Harrell, James Levine, Bernard Greenhouse, Boris Pergamenschikow und Menahem Pressler. Derzeit sind gemeinsame Projekte mit Tatjana Masurenko, Jochen Kowalski, Avi Avital, Jörg Widmann und Finghin Collins geplant. Konzerte führten die Musiker auf alle wichtigen Konzertpodien in Europa, den USA, Japan, Australien und Neuseeland. Neben einer eigenen Konzertreihe im Berliner Konzerthaus ist das Quartett künstlerischer Leiter des Kammermusikfestivals »Musik in Drumcliffe« im irischen Sligo und der Kammermusiktage Homburg/Saar. Einen Schwerpunkt legen die vier Streicher auf die Förderung des musikalischen Nachwuchses. Sie unterrichten an den Hochschulen in Berlin, Leipzig, Stuttgart und Dublin und geben Meisterkurse in Europa und Übersee. Als Nachfolger des Melos-Quartetts hatte das Vogler Quartett die Professur für Kammermusik an der Musikhochschule in Stuttgart inne. Kinder- und Jugendprojekte verwirklichen die Instrumentalisten u.a. bei den mehrfach ausgezeichneten Nordhessischen Kindermusiktagen. Zahlreiche hochgelobte Einspielungen erschienen bei den Labels BMG/RCA, Nimbus, col legno, cpo und der »Profil«-Edition Günter Hänssler. Derzeit entsteht eine Gesamtaufnahme der Dvor?ák-Quartette für das Label cpo. 2014 legte das Vogler Quartett bei »Phil.harmonie« ein Tango-Album mit dem argentinischen Bandoneonisten und Komponisten Marcelo Nisinman vor. Anlässlich des 30-jährigen Quartettjubiläums erschien Anfang 2015 im Berenberg Verlag eine umfangreiche Künstlerbiografie mit dem Titel »Eine Welt auf sechzehn Saiten – Gespräche mit dem Vogler Quartett«.

Andrea Kauten begann ihr Klavierspiel beim Basler Pianisten Albert Engel. Als 13-jährige stand sie im Finale des Jecklin-Wettbewerbs in Zürich; ein Jahr später gewann sie den 1. Preis des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs. Ausgebildet an der Musikakademie Basel und an der Franz Liszt Musikakademie in Budapest, verfügt Andrea Kauten über ein breitgefächertes Repertoire. Ihre erste CD mit Werken von Liszt, Goldmark und Rachmaninow erschien bereits 1993. Seit 2006 veröffentlicht Andrea Kauten bei Sony Classical. 2006 und 2009 legte die Pianistin zwei CDs mit Kompositionen von Robert Schumann vor. Eine CD mit den Klaviersonaten von Franz Liszt folgte 2011. Für ihre 2012 veröffentlichte und hochgelobte Liszt-Doppel-CD hat die Pianistin Stücke für Klavier und Orchester (Totentanz, Malédiction, Ungarische Fantasie) sowie für Klavier Solo eingespielt (Années de Pèlerinage, Mephisto-Walzer, 14. Ungar. Rhapsodie). »Andrea Kauten – A Portrait« mit Werken von Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin, Franz Liszt und Sergei Rachmaninow präsentierte die Pianistin 2013. Seit 2006 ist Andrea Kauten künstlerische Leiterin der Kammermusikreihe »Klassik im Krafft-Areal«.



Programm

Joseph Haydn Streichquartett Op. 77 Nr.1 G-Dur, Hob. III:81
1732 – 1809 1. Allegro moderato
2. Andante
3. Adagio
4. Finale: Presto
 
Dimitri Schostakowitsch Streichquartett Nr. 11 f-Moll Op. 122
1906 – 1975 1. Introduktion: Andantino
2. Scherzo: Allegretto
3. Rezitativ: Adagio
4. Etüde: Allegro
5. Humoreske: Allegro
6. Elegie: Adagio
7. Finale: Moderato
 
César Franck Klavierquintett f-Moll
1822 – 1890 1. Molto moderato quasi lento – Allegro
2. Lento, con molto sentimento
3. Allegro non troppo, ma con fuoco
 


»Ein Baron Fürnberg hatte eine Besitzung in Weinzierl, einige Posten von Wien, und er lud von Zeit zu Zeit seinen Pfarrer, seinen Verwalter, Haydn und Albrechtsberger … zu sich, um kleine Musiken zu hören. Fürnberg forderte Haydn auf, etwas zu komponieren, das von diesen vier Kunstfreunden aufgeführt werden könnte.« So erzählt uns Haydns Biograph Griesinger den in den 1750er-Jahren spielenden »Anfang« des Streichquartetts, der anspruchsvollsten Gattung klassischer Instrumentalmusik. Über 70 Streichquartette hat Joseph Haydn in der Folgezeit geschrieben, gewöhnlich in Werkgruppen von sechs Quartetten, und dabei von Opera zu Opera die Grenzen des vierstimmigen Streichersatzes immer wieder gesprengt und neu definiert. 1799 erhalten Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven vom Fürsten Lobkowitz, einem der großen Musikmäzene Wiens, denselben Kompositionsauftrag: sechs Streichquartette. Zwei der bestellten Quartette hat Haydn geschrieben, Opus 77 Nr. 1 und 2. Es sind seine letzten beiden fertiggestellten Quartette. Beethoven dagegen schrieb zum ersten Mal für die Gattung – und begründete mit seinem Opus 18 einen neuen Stil.

Im Frühjahr 1966 schrieb Dimitri Schostakowitsch sein Streichquartett Nr. 11, ein musikalisches Gedenkwerk an den kurz zuvor verstorbenen Wassili Schirinski, dem zweiten Geiger des Moskauer Beethoven-Quartetts. Es hatte bis dahin alle Quartette Schostakowitschs außer dem ersten uraufgeführt. In seiner von tiefer Trauer beherrschten Huldigung an den vielseitigen Musiker Schirinski reiht Schostakowitsch sieben kurze Miniaturen suitenartig auf. Jeder der kurzen ohne Pausen ineinander übergehenden Sätze verklingt im Pianissimo. Das Streichquartett Opus 122 ist vielleicht Schostakowitschs intimstes Werk überhaupt.

»César Franck schrieb sein monumentales Klavierquintett in f-Moll 1878/79, in den Jahren des Aufbruchs der französischen Musik zu neuen Ufern. […] Parallel zu den impressionistischen Malern suchten junge Komponisten nach neuen, typisch französischen Ausdrucksformen gerade in der Kammermusik, die bis dahin in Paris kaum beachtet wurde. Camille Saint-Saëns lieferte ihnen mit seinem Klavierquartett von 1875 ein eindrucksvolles Vorbild […]. Auch seinen älteren Kollegen César Franck inspirierte er zu einem großen Werk für Klavier und Streicher: zum f-Moll-Quintett. ›Père Franck‹ […] zeigte sich hier als Vorreiter der jungen Generation, die in seiner chromatisch changierenden Harmonik und eigenartigen Formenwelt den Beginn einer neuen Epoche französischer Musik erkannte. Er […] führte Komponisten wie Gabriel Fauré, Vincent d’Indy und Paul Dukas an eine eigenständige Form- und Farbenwelt der französischen ›neuen Musik‹ heran. Gleichzeitig war er tief von der Musik Richard Wagners beeinflusst. Dies macht den eigenartigen, zwiespältigen Reiz seiner großen Spätwerke aus […]. Für Debussy war Francks Quintett ›die wahre Musik‹, für Saint-Saëns dagegen, dem das Werk gewidmet werden sollte, eine einzige Geschmacklosigkeit. Bei der Uraufführung am 17. Januar 1880 in Paris übernahm er zwar heroisch den Klavierpart, ließ ihn aber anschließend demonstrativ auf dem Flügel liegen und schlug die Widmung des Werkes brüsk aus.«



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