»Klassik im Krafft-Areal«


Samstag, den 21. April 2018, 19.00 Uhr

Marie-Claude Chappuis Marie-Claude Chappuis (Photo: Moreno Gardenghi)


Marie-Claude Chappuis, Mezzosopran
Simon Bucher, Klavier


»Was für eine Stimme! Warm und weich exponiert sie einen vollen sonoren Körperklang und bleibt dabei dennoch in jedem Moment beweglich, anmutig und elegant. Verführerischer kann eine Stimme kaum klingen.« So resümierte kürzlich ein Musikmagazin des SWR (»SWR2 Cluster«) in voller Begeisterung Marie-Claude Chappuis' Leistungen. Es ist vor allem die gleichermaßen heitere wie bedingungslose Hingabe an die Musik, die ihre Künstlerschaft auszeichnet.

Marie-Claude Chappuis studierte Gesang am Konservatorium ihrer Heimatstadt Freiburg, anschließend am Mozarteum in Salzburg, wo ihr für ihre Virtuosität ein Sonderpreis verliehen wurde. Sie eroberte sich bald die renommiertesten Bühnen in Europa und Asien. Zu den Meilensteinen ihrer Karriere zählen Produktionen wie Idomeneo (Idamante) dirigiert und inszeniert von Nikolaus Harnoncourt in Graz und Zürich, L'incoronazione di Poppea (Ottavia) unter der Leitung von René Jacobs in Berlin und Brüssel, L'Etoile (Lazuli) unter der Leitung von John Eliot Gardiner in Zürich und Genf, Carmen in der Regie von Brigitte Fassbaender in Innsbruck, Cosi fan tutte (Dorabella) bei den Salzburger Festspielen, Il Matrimonio Inaspettato, eine Rarität von Paisiello (Contessa), unter der Leitung von Riccardo Muti bei den Salzburger Festspielen und La Damnation de Faust (Marguerite) unter der Leitung von Sir Roger Norrington in Leipzig. In den letzten Jahren war sie in Cavalieris Rappresentazione di Anima et Corpo (Anima) unter René Jacobs an der Staatsoper Berlin zu Gast, in Schuberts Fierrabras (Maragond) inszeniert von Peter Stein bei den Salzburger Festspielen und in The fairy Queen inszeniert von Mariame Clément und dirigiert von Christophe Rousset im Theater an der Wien. Höhepunkt der Saison 2017/18 ist ihr Debüt an der Mailänder Scala (Fierrabras).

Ihre Pläne für 2018/19 umfassen Opernproduktionen im Theater an der Wien, an der Staatsoper Berlin und am Teatro Real in Madrid. Ihre umfangreiche Diskographie umfasst J.S. Bachs Matthäuspassion mit Riccardo Chailly (Decca), La Clemenza di Tito (Annio) mit René Jacobs (für einen Grammy Award nominiert, veröffentlicht von Harmonia Mundi), Idomeneo (Idamante) mit Nikolaus Harnoncourt (DVD in der Styriarte Festival Edition), Rameaus Pygmalion mit Les Talens Lyriques und Christophe Rousset (Aparte, 2017), Mozart Requiem mit dem Freiburger Barockorchester und René Jacobs (Harmonia Mundi, 2017) sowie ihr erstes Solo-Album zusammen mit dem Lautisten Luca Pianca (»Sous l'empire d'Amour«, Deutsche Harmonia Mundi, 2017).

Der Pianist Simon Bucher ist ein gefragter Solist, Improvisator, Kammermusiker und Liedbegleiter. Er ist gern gesehener Gast an internationalen Musik-Festivals, wie etwa dem Carinthischen Sommer, Klavierfestival Ruhr, The Next Generation Dortmund, Nargen-Festival, RheinVokal, Liedrezital Zürich, Murten Classics oder Gaia Musikfestival. Nach Studien an der Hochschule der Künste Bern bei Erika Radermacher und Tomasz Herbut vervollständigte er seine Ausbildung bei Irwin Gage an der HMT Zürich. Prägende Impulse erhielt er zudem an Meisterkursen bei Ruben Lifschitz, Dalton Baldwin, Zakhar Bron, Klaus Hellwig, Béla Síki und Irene Schweizer. Der mehrfache Preisträger (Internationaler Brahms-Wettbewerb, Schweizerischer Tonkünstlerverein, Migros-Kulturprozent und Ernst-Göhner-Stiftung) ist Lied-Partner von Rachel Harnisch, Sibylla Rubens, Maya Boog, Daniel Johannsen, Robin Adams und Rudolf Rosen. Als Solist arbeitet er mit Dirigenten wie Daniel Klajner, Tonu Kaljuste, Michael Sanderling und Kaspar Zehnder. Neben seinen klassischen Tätigkeiten widmet sich Bucher dem Jazz, spielt improvisierte Solorezitale und ist Pianist und Mitbegründer des Duos »Petting goes Classic«. Eine Vielzahl seiner Konzerte wurde vom Rundfunk ausgestrahlt. Bei ARS Produktion und Carus entstanden mehrere CDs. Simon Bucher ist Künstlerischer Leiter der Konzertreihe »Das Lied – Liedrezitale Bern«.



Programm

Gabriel Fauré  
1845 – 1924 Mai op. 1, Nr. 2 (Victor Hugo)
Nell op. 18, Nr. 1 (Leconte de Lisle)
Au bord de l'eau op. 8, Nr. 1 (Sully Prudhomme)
   Improvisation von Simon Bucher
Prison op. 83, Nr. 1 (Paul Verlaine)
Claire de lune op. 46, Nr. 2 (Paul Verlaine)
Mandoline op. 58, Nr. 1 (Paul Verlaine)
   Improvisation von Simon Bucher
Les Berceaux op. 23, Nr. 1 (Sully Prudhomme)
Après un rêve op. 7, Nr. 1
Fleur jetée op. 39, Nr. 2 (Armand Silvestre)
 
Felix Mendelssohn Bartholdy  
1809 – 1847 Gruss op. 19, Nr. 5 (Heinrich Heine)
Die Liebende schreibt op. 86, Nr. 3 (J. W. von Goethe)
Lied ohne Worte op. 38, Nr. 6, »Duetto« für Klavier Solo
Nachtlied op. 71, Nr. 6 (Joseph von Eichendorff)
Andres Maienlied op. 8, Nr. 8 (Ludwig Hölty)
 
Richard Wagner Fünf Lieder nach Gedichten von Mathilde Wesendonck
1813 – 1883 für eine Frauenstimme und Klavier, WWV 91
  Der Engel
Stehe still!
Im Treibhaus
Schmerzen
Träume
 


Das französische Lied – la mélodie française – entsteht später als das deutsche Kunstlied und hat seine große Zeit zwischen den beiden Kriegen 1870 – 1871 und 1914 – 1918. In dieser Zeit ist es besonders wichtig sich von allem Deutschen abzugrenzen, auch in der Musik. La mélodie française tönt weniger pathetisch, weniger romantisch als das deutsche Kunstlied. Besungen wird die Liebe, nicht die übermenschliche, metaphysische Liebe, sondern die ganz alltäglichen Liebesgefühle. Mit über 100 Werken, entstanden über einen Zeitraum von 60 Jahren, leistete Gabriel Fauré einen bedeutenden Beitrag zum französischen Lied.

Felix Mendelssohn Bartholdy erhielt bereits als Kind eine umfassende Musikausbildung, sodass er sich schon früh als Komponist und Interpret etablieren konnte. Der Wegbereiter der Bach-Renaissance und Begründer der ersten deutschen Musikhochschule (Leipziger Konservatorium) hinterließ bei seinem frühen Tod, 38-jährig nach mehreren Schlaganfällen, ein Œuvre von mehr als 400 Werken, darunter 48 »Lieder ohne Worte«, die eine eigene Gattung in der Musik darstellen, sowie ca. 100 Werke für Singstimme und Klavier. Mendelssohns Lieder, die der klassischen Ästhetik des 18. Jahrhunderts deutlich näher stehen als den romantischen, gefühlsbetonten Liedern seines gleichaltrigen Freundes Schumann, werden heute allerdings eher selten aufgeführt. Das Nachtlied op. 71 Nr. 6 auf das Eichendorff-Gedicht »Vergangen ist der lichte Tag« ist das letzte vollendete Werk des Komponisten. Der um seine im Mai 1847 gestorbene, geliebte Schwester Fanny trauernde Felix Mendelssohn Bartholdy veröffentlichte es nur einen Monat vor seinem eigenen Tod im November 1847.

Der Seidenhändler Otto Wesendonck unterstützte den politischen Flüchtling Richard Wagner nach seiner Flucht aus Sachsen und gewährte Wagner und seiner Frau Minna ab 1857 Wohnung in einem kleinen Haus neben seiner Villa auf einem Hügel bei Zürich. Frau Wesendonck war bereits seit 1852 Richards Muse. Mit ihr erlebte Wagner Glücksmomente wie sie im Lied »Stehe still!« von der Dichterin geschildert werden: »Wenn Aug’ in Auge wonnig trinken, / Seele ganz in Seele versinken; / Wesen in Wesen sich wiederfindet, / Und alles Hoffens Ende sich kündet«. »Sie ist und bleibt meine erste und einzige Liebe!« bemerkte er noch Jahre später über Mathilde. »Es war der Höhepunkt meines Lebens: die bangen, schön beklommenen Jahre, die ich in dem wachsenden Zauber ihrer Nähe, ihrer Neigung verlebte, enthalten alle Süße meines Lebens.«



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