»Klassik im Krafft-Areal«


Samstag, den 7. Dezember 2019, 19.00 Uhr

Andrea Kauten Andrea Kauten (Photo: Manfred Esser)


Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim

Aurélien Bello, Leitung
Andrea Kauten, Klavier


Das als Basis mit vierzehn Musikern besetzte Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim ist eines der wenigen Full-time-Kammerorchester Europas: So wird eine außergewöhnliche Homogenität des Klangbildes möglich, die auch in größerer Besetzung mit Bläsern und weiteren Streichern aus einem festen Musikerstamm erhalten bleibt. Gegründet wurde das Ensemble im Jahr 1950 vom Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant. Rasch fanden die Pforzheimer internationale Anerkennung. Mit Dietrich Fischer-Dieskau, Frans Brüggen und Yehudi Menuhin seien nur einige der musikalischen Größen genannt, mit denen das »Südwestdeutsche« zusammenarbeitete. Mehr als 250 Schallplatten und CDs hat das Südwestdeutsche Kammerorchester eingespielt, von denen eine ganze Reihe mit internationalen Preisen ausgezeichnet wurden. Zahlreiche Uraufführungen belegen seine Kompetenz auch für die zeitgenössische Musik. Auch in jüngerer Zeit musizierte das Kammerorchester mit international bekannten Solisten wie Nigel Kennedy, Mischa Maisky, Cyprien Katsaris, Christian Tetzlaff oder Lars Vogt und war in ganz Europa (Festival Prager Frühling, Schleswig-Holstein-Musikfestival, Schwetzinger Festspiele, Festival Euro Mediterraneo Rom, OsterKlang Wien, Sala Verdi Mailand, Auditorio Nacional Madrid, Berliner Philharmonie), in den USA und in Japan zu Gast.

Aurélien Bello, 1980 in Frankreich geboren, studierte zunächst Harfe, Musiktheorie und Orchestrierung am Conservatoire National Supérieur de Musique in Lyon und anschließend Dirigieren an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin bei Prof. Hans-Dieter Baum. Er wurde vom Dirigentenforum des Deutschen Musikrates gefördert und war Stipendiat der Akademie »Musiktheater heute«, einer Stiftung der Deutschen Bank. Als Harfenist spielte Aurélien Bello bei renommierten Orchestern, so auch bei den Berliner Philharmonikern, unter Dirigenten wie Simon Rattle, Pierre Boulez und Gustavo Dudamel. Er dirigierte viele renommierte Klangkörper, u.a. das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Konzerthausorchester Berlin, die Deutsche Radiophilharmonie, das Radio-Sinfonieorchester Berlin, das Münchner Rundfunkorchester, das Stuttgarter Kammerorchester und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim, mit dem ihn bereits eine längere Zusammenarbeit verbindet. Aurélien Bello leitet seit deren Gründung 2015 die Junge Kammerphilharmonie Berlin. Opernproduktionen führten Aurélien Bello u.a. an die Komische Oper Berlin, zu den Festspielen in Baden-Baden, nach Kiel, Bielefeld, Gelsenkirchen, Schwerin und Rheinsberg. Seit 2013 widmet sich Aurélien Bello auch vermehrt der Orchestrierung und der Komposition. Neben seinem Orchesterwerk »Eine kurze Geschichte der Zeit« nach Stephen Hawking komponierte er zwei Opern für die Musikakademie Rheinsberg und die Kinderoper »Der kleine und Otello« nach Motiven von Verdi, die von den Berliner Philharmonikern uraufgeführt wurde.

Andrea Kauten begann ihr Klavierspiel beim Basler Pianisten Albert Engel. Als 13-Jährige stand sie im Finale des Jecklin-Wettbewerbs in Zürich; ein Jahr später gewann sie den 1. Preis des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs. Ausgebildet an der Musikakademie Basel und an der Franz Liszt-Akademie in Budapest, verfügt Andrea Kauten über ein breitgefächertes Repertoire. Seit 2006 veröffentlicht die Pianistin beim Label »Sony Classical«. Sie spielte mehrere Solo-CDs mit Kompositionen von Schumann, Liszt, Beethoven, Chopin und Rachmaninow ein. 2018 veröffentlichte sie ein Album mit Klavierkonzerten von Johannes Brahms und Hermann Goetz, jeweils begleitet vom ungarischen Savaria Symphony Orchestra unter der Leitung von Ádám Medveczky. Die Produktion wurde von der Fachzeitschrift »Pizzicato« mit dem »Supersonic«-Award ausgezeichnet. Ihre neuste CD, »Clara Schumann & Zeitgenossen«, mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim, wurde erst vor wenigen Wochen aus der Taufe gehoben. Seit 2006 ist Andrea Kauten künstlerische Leiterin der Kammermusikreihe »Klassik im Krafft-Areal«.



Programm

Anton von Webern Langsamer Satz Es-Dur
1883 1945 Fassung für Streichorchester
 
Clara Schumann Klavierkonzert a-Moll op. 7
1819 1897 historische Fassung für Streichorchester
  von Joachim Draheim
  1. Allegro maestoso
2. Romance: Andante non troppo con grazia
3. Allegro non troppo
 
Engelbert Humperdinck Abendsegen aus »Hänsel und Gretel«
1854 1921 Fassung für Streichorchester
 
Ludwig van Beethoven Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15
1770 1827 Fassung für Streichorchester
  1. Allegro con brio
2. Largo
3. Rondo. Allegro scherzando
 


Anton von Webern komponierte den »Langsamen Satz Es-Dur« 1905 noch während seines Studiums bei Arnold Schönberg. Das ausdrucksstarke, an Brahms erinnernde, noch nicht auf aphoristische Kürze reduzierte Stück, zeigt den Komponisten, ganz seinem Selbstverständnis entsprechend, »als Weiterführer der abendländischen Musiktradition«.

Trotz ihrer Pflichten als Mutter von acht Kindern war Clara Schumann die bedeutendste Pianistin ihrer Zeit. Als Vierzehnjährige begann die bereits auf den europäischen Konzertpodien etablierte und von ihrem Vater auch in Komposition ausgebildete Clara mit der Skizze ihres einzigen Orchesterwerkes, dem Klavierkonzert a-Moll op. 7. Der dritte Satz entstand 1833 zunächst als eigenständiges Stück und war fortan Teil ihres Repertoires. Bei der Orchestrierung half Robert Schumann. In den folgenden zwei Jahren entstanden der Kopfsatz des Werkes und der langsame Mittelsatz, eine Romanze für Klavier-Solo und Cello-Solo. Diese beiden Sätze hat Clara Schumann auch selbst instrumentiert. Noch im November 1835 fand im Leipziger Gewandhaus die Uraufführung statt: Mit Felix Mendelssohn am Pult und Clara Wieck als Solistin.

Engelbert Humperdinck komponierte die Kinderoper »Hänsel und Gretel« in den frühen 1890er Jahren. Das Libretto schrieb seine Schwester Adelheid Wette. Der Abendsegen »Abends will ich schlafen gehn«, mit dem sich die beiden Kinder in den Schlaf singen, ist eines der bekanntesten Lieder dieser Oper. (Abends, will ich schlafen gehn, / Vierzehn Engel um mich stehn: / Zwei zu meinen Häupten, / Zwei zu meinen Füßen, / Zwei zu meiner Rechten, / Zwei zu meiner Linken, / Zweie, die mich decken, / Zweie, die mich wecken, / Zweie, die mich weisen, / Zu Himmels-Paradeisen.)

Ludwig van Beethoven hat sich sein 1. Klavierkonzert auf den Leib geschrieben. Fünf Jahre lang hatte er an diesem Klavierkonzert gefeilt und viel von seiner pianistischen Vortrags- und Improvisationskunst einfließen lassen. Formal orientierte sich Beethoven durchaus noch an Mozart und Haydn. Der energische, auftrumpfende und gelegentlich auch schroffe Tonfall, die provozierende Rhythmik und Dynamik machen Opus 15 aber unverkennbar zu einem typischen Beethoven. Im langsamen zweiten Satz kommt dann auch schon der getragen-stimmungsvolle Beethoven späterer Jahre zum Vorschein. Als kompositionstechnische Neuerung stellt Beethoven in seinem Konzert den Solisten und das Orchester nicht mehr nur im Wechselspiel gegenüber, sondern integriert das Klavier immer wieder sinfonisch in das Orchesterspiel.



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