»Klassik im Krafft-Areal«


Samstag, den 26. November 2022, 19.00 Uhr

Andrea Kauten (Photo: Manfred Esser)
Aurélien Bello (Photo: P. Adamik)
SWDKO Pforzheim (Photo: Sebastian Seibel)

Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim

Aurélien Bello, Leitung
Andrea Kauten, Klavier


Das als Basis mit vierzehn Musikern besetzte Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim ist eines der wenigen Full-time-Kammerorchester Europas: So wird eine außergewöhnliche Homogenität des Klangbildes möglich, die auch in größerer Besetzung mit Bläsern und weiteren Streichern aus einem festen Musikerstamm erhalten bleibt. Gegründet wurde das Ensemble im Jahr 1950 vom Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant. Rasch fanden die Pforzheimer internationale Anerkennung. Mit Dietrich Fischer-Dieskau, Frans Brüggen und Yehudi Menuhin seien nur einige der musikalischen Größen genannt, mit denen das »Südwestdeutsche« zusammenarbeitete. Mehr als 250 Schallplatten und CDs hat das Südwestdeutsche Kammerorchester eingespielt, von denen eine ganze Reihe mit internationalen Preisen ausgezeichnet wurden. Zahlreiche Uraufführungen belegen seine Kompetenz auch für die zeitgenössische Musik. Auch in jüngerer Zeit musizierte das Kammerorchester mit international bekannten Solisten wie Nigel Kennedy, Mischa Maisky, Cyprien Katsaris, Christian Tetzlaff oder Lars Vogt und war in ganz Europa (Festival Prager Frühling, Schleswig-Holstein-Musikfestival, Schwetzinger Festspiele, Festival Euro Mediterraneo Rom, OsterKlang Wien, Sala Verdi Mailand, Auditorio Nacional Madrid, Berliner Philharmonie), in den USA und in Japan zu Gast.

Aurélien Bello, 1980 in Frankreich geboren, studierte zunächst Harfe, Musiktheorie und Orchestrierung am Conservatoire National Supérieur de Musique in Lyon und anschließend Dirigieren an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin bei Prof. Hans-Dieter Baum. Er wurde vom Dirigentenforum des Deutschen Musikrates gefördert und war Stipendiat der Akademie »Musiktheater heute«, einer Stiftung der Deutschen Bank. Als Harfenist spielte Aurélien Bello bei renommierten Orchestern, so auch bei den Berliner Philharmonikern, unter Dirigenten wie Simon Rattle, Pierre Boulez und Gustavo Dudamel. Er dirigierte viele renommierte Klangkörper, u.a. das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Konzerthausorchester Berlin, die Deutsche Radiophilharmonie, das Radio-Sinfonieorchester Berlin, das Münchner Rundfunkorchester, das Stuttgarter Kammerorchester und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim, mit dem ihn bereits eine längere Zusammenarbeit verbindet. Aurélien Bello leitet seit deren Gründung 2015 die Junge Kammerphilharmonie Berlin. Opernproduktionen führten Aurélien Bello u.a. an die Komische Oper Berlin, zu den Festspielen in Baden-Baden, nach Kiel, Bielefeld, Gelsenkirchen, Schwerin und Rheinsberg. Seit 2013 widmet sich Aurélien Bello auch vermehrt der Orchestrierung und der Komposition. Für die Berliner Philharmoniker bearbeitete er »Der kleine Rosenkavalier« von Richard Strauss, »La Boîte à Joujoux« von Debussy sowie die »Hommage à Sir Simon Rattle« zu dessen Verabschiedung. Für das Radio-Sinfonieorchester Berlin reduzierte er den »Ring des Nibelungen« von Wagner auf 50 Musiker und 100 Minuten. Neben seinem Orchesterwerk »Eine kurze Geschichte der Zeit« nach Stephen Hawking komponierte er zwei Opern für die Musikakademie Rheinsberg und nach Motiven von Verdi die Kinderoper »Der Kleine und Otello«, die von den Berliner Philharmonikern uraufgeführt wurde.

Andrea Kauten begann ihr Klavierspiel beim Basler Pianisten Albert Engel. Als 14-Jährige erhielt sie den 1. Preis des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs. Es folgte ein Studium in Basel und an der Franz Liszt-Akademie in Budapest. Seit 2006 veröffentlicht die Pianistin bei Sony. Sie spielte Solo-CDs mit Werken von Schumann, Liszt, Beethoven, Chopin und Rachmaninow ein und veröffentlichte ein Album mit Klavierkonzerten von Johannes Brahms und Hermann Goetz, jeweils begleitet vom Savaria Symphony Orchestra unter der Leitung von Ádám Medveczky. 2019 präsentierte Andrea Kauten zusammen mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim die CD »Clara Schumann & Zeitgenossen« und im Juni 2021 erschien »Promenade« mit den Préludes op. 28 von Frédéric Chopin und »Bilder einer Ausstellung« von Modest Mussorgski.



Programm

Anton Stepanowitsch Arenski Variationen über ein Thema von Tschaikowski op. 35a
1861 – 1906  
   
Frédéric Chopin Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll op. 21
1810 – 1849 1. Maestoso
2. Larghetto
3. Alegro vivace
 
Peter Iljitsch Tschaikowski Serenade für Streichorchester C-Dur op. 48
1840 – 1893 1. Pezzo in forma di sonatina: Andante non troppo – Allegro moderato
2. Valse: Moderato – Tempo di valse
3. Élégie: Larghetto elegiaco
4. Finale (Tema russo): Andante – Allegro con spirito
 


Für Anton Arenski war Peter Tschaikowski Freund und Vorbild. Der plötzliche Tod Tschaikowskis am 6. November 1893 traf ihn schwer. Entsprechend einer Tradition unter russischen Musikern komponierte er als Werk in Memoriam ein dreisätziges Streichquartett (Opus 35). Den zweiten Satz bearbeitete Anton Arenski für Streichorchester als Variationen über ein Thema von Tschaikowski op. 35a.

Das Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll op. 21 ist eines der letzten Werke, die Frédéric Chopin noch in Warschau komponierte, bevor er sich nach der Niederschlagung des polnischen Aufstands gegen das russische Regime in Paris niederließ. Opus 21 steht nicht in der Tradition des sinfonischen oder dialogisierenden Klavierkonzerts im Stile Mozarts oder Beethovens, sondern ist ein romantisches Virtuosenkonzert, das den Solisten in den Mittelpunkt stellt. Bei der Uraufführung 1830 in Warschau wurde Chopin nur von einem kleinen Orchester begleitet. Das Spiel des Pianisten war zur Verblüffung des Publikums nicht von reißerischen Effekten bestimmt, sondern von Bescheidenheit und Empfindsamkeit. Das polnische Allgemeine Tagblatt schrieb: »Die Ausführung entsprach völlig dem Geist der Komposition. Bei der Überwindung der größten manuellen Schwierigkeiten, bei den glänzendsten Passagen, beim Gesang der einprägsamsten Melodien versuchte der Pianist niemals, auf Kosten des Gesamteindrucks zu brillieren; seine Bescheidenheit verbarg ihn stets, wie erforderlich, hinter der mehr oder weniger großen Pracht der Harmonie. Es scheint, dass sein Spiel dem Publikum mitteilte: das bin nicht ich, das ist die Musik!«

Wurde er des großstädtischen Lebens überdrüssig oder bedrängten ihn Depressionen und Selbstzweifel, dann zog sich Peter Tschaikowski zurück auf das Gut seiner Schwester im ukrainischen Kamenka. Mit viel Selbstdisziplin überwand er dort seine Krisen. Zur Ablenkung von unangenehmen Auftragsarbeiten studierte er oft ältere Musik. Im Herbst 1880 widmete er sich Mozart. An seine Gönnerin Nadeshda von Meck schreibt er: »[…] dasselbe Schicksal führte mich bereits im Jünglingsalter der Musik Mozarts zu, und durch sie entdeckte ich ungeahnte Weiten musikalischer Schönheit. Solche Jugendeindrücke sind für das ganze Leben entscheidend. Wissen Sie, dass ich mich jünger und munterer, beinah als Jüngling fühle, wenn ich Mozart spiele!« Aus dieser Mozartverehrung heraus komponiert Tschaikowski die Serenade für Streichorchester C-Dur op. 48. Die Serenade ist keine Spielerei im klassischen Stil, sondern ein tief romantisches Werk voller Gefühl, Eleganz und Mozartscher Leichtigkeit.



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